Buch veröffentlichen?

Ich selbst werde künftig wohl keine Bücher mehr veröffentlichen, denn alles hat seine Zeit :)

Für alle, die damit liebäugeln, habe ich Fragenstellungen, die vorab sinnvoll wären, zusammengestellt.

Vor dem Schreiben:
Warum möchte ich ein Buch veröffentlichen?
Will ich beispielsweise ein zweites berufliches Standbein, das mir bestenfalls ein stilles Einkommen durch Tantiemen einbringt?
Habe ich großen Mitteilungsdrang? Will ich die Welt mit meinem Buch weiterbringen?
Soll mein Name öffentlich bekannt werden und schwarz auf weiß zu lesen sein?

Beim Schreibprozess:
Schaffe ich es, mich selbst ständig aufs Neue zu motivieren, obwohl es kein direktes Feedback z.B. durch einen Lektor gibt?
Wie lange dauert es, das Buch fertig zu stellen, wie aktuell bleibt der Inhalt?

Nach der Manuskripterstellung:
Wie komme ich damit klar, dass sich evtl. niemand aus dem Bekanntenkreis die Mühe machen will, mein Buch vor der Veröffentlichung zu lesen?
Und wenn doch: Ertrage ich die Kritik von wohlmeinenden Zeitgenossen, die mein Werk vorab lesen? Ertrage ich es, dass sie evtl. unerwünschte Verbesserungsvorschläge machen und möglicherweise die gesamte Buchidee umstellen oder diese transformieren möchten?

Vor der Veröffentlichung:
Habe ich einen ausreichend langen Atem, um auch die überaus langweilige Korrekturphase durchzustehen?
Kann ich es mir leisten, an einem Projekt zu arbeiten, das erstmal Geld kostet (Zeit ist auch Geld, selbst wenn man nur schreibt und kein Korrektorat oder Grafiker bezahlt).

Nach der Veröffentlichung:
Was mache ich, wenn mir niemand eine vernünftige Rezension schreibt, wie komme ich an Buchbewertungen, ohne das die Situation als Bittsteller für mich unangenehm wird.
Wie schaffe ich es überhaupt ein adäquates Marketing für mein Buch zu betreiben, ohne steuerlich als Gewerbetreibender eingestuft zu werden?
Wie leidensfähig bin ich? Ertrage ich schlechte Rezensionen?
Ohne Social Media ist es schwer, das eigene Buch zu promoten.
Wie halte ich es aus, wenn es wider Erwarten kein Interesse für mein Buch gibt?
 
Last but not least:
Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man feststellt: Auch Schreiben ist Arbeit. Ganz zu Schweigen von dem Finden von Konzepten, dem Aufspüren des x-ten Fehlers und der Frage: ist das Cover jetzt so O.K.? 
Jedes Mal, wenn ein Leser oder man selbst einen Fehler entdeckt hat, sollte das gesamte Veröffentlichungsprozedere sowohl für das Taschenbuch, als auch das eBook neu gestartet werden. Die Arbeit, die man als Selfpublisher leistet, endet leider nicht mit der Erstveröffentlichung.
 
Vorteile beim Selfpublishing:
  • Es wird nur nach Bedarf gedruckt, dies ist resourceschonend, es gibt keine zusätzlichen Versand/ Lagerkosten.
  • Es kann auf den Inhalt und das Aussehen des Werkes ohne Mehrkosten durch eine Neuveröffentlichung jederzeit Einfluss genommen werden.
  • Der Verdienst kann höher sein als bei einem Verlagsvertrag, vorausgesetzt das Buch verkauft sich entsprechend gut.
  • Man kann sich persönlich für die passende Werbung etc. einsetzen und diese inhaltlich steuern.
  • Ein stilles Tantiemen-Einkommen läuft bestenfalls auch bei Krankheit etc. von alleine weiter.
  • Man kann ortsunabhängig als Freiberufler oder neben einer anderen Tätigkeit im eigenen Tempo arbeiten.
  • Eine Veröffentlichung kann als Werbung für den eigenen Betrieb dienen oder aktionsbegleitend, z.B. für eine Kunstausstellung.

Die Überwindung, sich überhaupt an den Schreibtisch zu setzen, kann zur Hürde werden.
Doch selbst, wenn es so scheint, als wäre man dort unproduktiv gewesen, geht es doch immer einen kleinen Schritt voran. Das ist ungefähr so, wie mit dem 365seitigen Buch. Schafft man jeden Tag nur eine Seite, ist es irgendwann fertig.

Eine Veröffentlichung ist trotzdem sehr viel Arbeit. Auch aus diesem Grund sollte man sehr selbstkritisch an das Ganze herangehen.
Meist finden Autoren ihre eigenen Texte wirklich gut. Doch sogar an denen lässt sich oft noch etwas verbessern. 
 
Ohne Struktur, ohne klugen Aufbau, ohne Weitblick und einer Idee, wo der eigene Text den Leser hinführen soll, wird auch der talentierteste Autor nicht erfolgreich sein.

Schreiben kann genau wie Zeichnen erlernt werden. Es gibt hierzu zahlreiche Workshops, Studiengänge, Webseiten. Die meisten von uns glauben aber, dass das nur etwas für unerfüllte Hobbypoeten wäre.

Dennoch kenne ich es aus eigener Erfahrung, dass man häufig zu ungeduldig ist, um den eigenen Texten kritisch gegenüber zu stehen, diese gegenlesen zu lassen oder den Textfluss nochmal zu überdenken und zu verändern.
Manche Formulierung hört sich gut an, hat eine eigene Dramatik und ist am Ende vielleicht doch nur eine Worthülse oder arbeitet Klischees ab, die keiner mehr hören kann.
Guido Maria Kretschmer (Modedesigner) hat einen Ausspruch geprägt, der da heißt:
„Das Kleid tut nichts für dich."
So ungefähr ist es auch mit Sätzen und Wörtern. Wenn diese die Geschichte, den Plot, nicht weiterbringen, sollten sie rigoros gestrichen werden.
Ich weiß, das ist leichter gesagt, als getan. Denn manchmal verliebt man sich geradezu in Formulierungen und es fällt schwer, die wieder los zu lassen.
Vielleicht wäre es hilfreich, hierfür als letzte Ruhestätte eine eigene Datei anzulegen. Nach dem Motto:
„Formulierungen und Ideen die es nicht in meine Veröffentlichung geschafft haben."